Verkehrswende beschleunigen

Besteuerung von Mobilitätsbudgets vereinfachen, um Mitarbeitenden nachhaltige Mobilität zu ermöglichen und den Klimawandel zu bremsen.

Anfang 2019 hat die Bundesregierung entschieden, Jobtickets steuerfrei zu stellen. Arbeitnehmer*innen wollen aber häufig Angebote nutzen, die über den ÖPNV hinausgehen. Eine Lösung dafür wären sogenannte Mobilitätsbudgets, die es den Mitarbeitenden erlauben würden, flexibel die Bahn, Sharing- und Mietangebote, ÖPNV und Dienstrad zu kombinieren. Das ist aktuell für Unternehmen allerdings steuerlich sehr unattraktiv und verursacht einen hohen Verwaltungsaufwand. Damit wird die Nutzung nachhaltiger Mobilitätsangebote gebremst.

Pilotversuche mit Mobilitätsbudgets in Deutschland beweisen, dass Arbeitnehmer*innen diesem Modell sehr positiv gegenüberstehen und ihr eigenes Auto weniger benutzen. Eine Studie1 mit 3.500 Mitarbeiter*innen ergab, dass die tägliche Nutzung des PKWs von 25% auf 10% sank und mehr als 50% der Fahrten mit dem ÖPNV absolviert wurden.

Ein solches Mobilitätsbudget könnte umweltfreundliche Verkehrsmittel und Mobilitätsangebote fördern und damit einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gute Beispiele für Mobilitätsbudgets sind bereits in Frankreich, Italien und Belgien umgesetzt worden oder in Planung.

Die Herausforderung: Arbeitgeber*innen, die ein solches Budget zur Verfügung stellen möchten, entstehen bisher hohe Kosten durch Steuern und Sozialversicherungsanteile sowie zusätzlicher bürokratischer Aufwand bei der Verbuchung. Somit kommen die bestehenden Besteuerungsvorteile nicht oder nur teilweise bei den Arbeitnehmer*innen an. Deswegen ist es wenig attraktiv für Arbeitgebende, solche Angebote zu etablieren. 

Vorschlag der VerkehrswendeMacher

Analog zur Besteuerung des Jobtickets sollen Arbeitgeberinnen ihren Angestellten ein in der Höhe flexibles monatliches Budget zur Verfügung stellen können. Voraussetzung hierfür ist eine steuerliche Gleichstellung des Mobilitätsbudgets zum ÖPNV-Jobticket durch den Gesetzgeber. Dieses Mobilitätsbudget sollen Arbeitnehmerinnen für ihre private Mobilität in öffentlichen oder geteilten Verkehrsträgern (Sharing-Anbietern) nutzen können.


Background

Mobilität wird immer individueller und digitale Lösungen eröffnen neue Möglichkeiten. Das veränderte Nachfrageverhalten – insbesondere in den Metropolen und Ballungsräumen – erfordert neue Angebote. Diese können das Zusammenspiel der Verkehrsträger im Sinne einer umweltfreundlichen Mobilität optimieren und so einen wichtigen Beitrag zu Erreichung der Pariser Klimaziele leisten.

Wege zur Arbeit, in der Freizeit oder Dienstreisen werden zunehmend multimodal zurückgelegt (70% der Carsharing-Nutzer*innen benutzen mindestens wöchentlich einen Verkehrsmittelmix). Je nach Reisezweck und Entfernung kombinieren Verkehrsteilnehmende private PKW, ÖPNV, Bahn und Flugzeug miteinander und ergänzen diese Angebote durch Car-, E-Scooter oder Bike-Sharing sowie Mitfahrdienste, die besonders im urbanen Raum eine hohe Akzeptanz genießen. 12% der Deutschen nutzen heute bereits Sharing-Angebote.

Der Markt für Carsharing und App-basierte Mitfahrdienste wird weiter wachsen. Auch die Fahrradnutzung nimmt rasant zu: zwischen 2002 und 2017 ist der Radverkehr in den Großstädten um 37% gewachsen. Neue Produkte wie Pedelecs sind erfolgreich. Die Zahl der Haushalte mit E-Bikes hat sich seit 2015 fast verdreifacht. Die Digitalisierung ermöglicht Kunden inzwischen einen einfachen Zugang zu neuen und flexiblen Alternativen zum eigenen PKW.

Gleichzeitig verändern sich, nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie, die Arbeitswelten. Für Mitarbeiterinnen verschmelzen Arbeits- und Freizeitwelten heute immer stärker. Viele Unternehmen werben mit flexibleren Möglichkeiten für Fachkräfte und bieten Homeoffice-Arbeit oder sogar komplette Freiheit bei der Wahl des Arbeitsortes. Dies hat erheblichen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Hier stehen auch die Arbeitgeberinnen vor neuen Herausforderungen.

1 durchgeführt von der Moovel Group